Heute, am 9. November 2019, feiert Deutschland 30 Jahre Mauerfall. Damals vor 30 Jahren besuchte ich die 7. Klasse. Ich war gerade 13 Jahre alt und erinnere mich noch gut, dass wir in den Sommerferien, bevor ich in die 7. Klasse kam, im Urlaub in Unterweißbach (Thüringen) waren.

Besonders eine Situation aus dem Urlaub ist mir in Erinnerung geblieben: Ich war traurig darüber, dass ich wahrscheinlich nie nach „drüben“, also in die Bundesrepublik Deutschland, fahren kann, weil ich ja keine nahen Verwandten dort habe. Dort lebten zwar viele Tanten und Onkel von meinen Eltern, aber ich bezweifelte, dass ich sie je besuchen würde.

Kurz darauf sind die ersten DDR- Bürger über Ungarn nach Österreich geflohen. Und dann dauerte es nicht mehr lange, bis die Mauer fiel.
Ich verfolgte das Geschehen im Fernsehen und konnte es, wie viele andere DDR- Bürger, nicht glauben.

Zu DDR- Zeiten war es übrigens fast unmöglich, ein Unternehmen zu gründen. Das erzählten mir meine Eltern erst viel, viel später.
Sie hatten damals so einige Geschäftsideen. Für zwei davon hatten sie Anträge eingereicht. So wollten sie eine Tankstelle mit Waschanlage eröffnen und eine kleine Fabrik zur Herstellung von Schaumküssen gründen.
Alle Anträge wurden abgelehnt.

Kurz nach der Wiedervereinigung fasste mein Papa den Entschluss, sich selbstständig zu machen. Auf einmal war es möglich. Ohne Probleme! Ich erinnere mich noch an die Zeit, als ich meine Steuerberatungskanzlei gegründet habe. Es war aufregend! Aber für Papa muss es noch viel emotionaler gewesen sein – und ein echtes Gefühl von Freiheit.

Mein Papa war übrigens Schlosser und hatte zwei Meistertitel. Er hatte zeitweise 5 Mitarbeiter und war ziemlich erfolgreich. Alle seine Arbeiten wurden individuell für seine Kunden erstellt. Irgendwann kam leider ein Zeitpunkt, an dem er sie nach und nach entlassen musste. Das lag an mehreren äußeren Faktoren, die er nicht beeinflussen konnte, und auch an einer Fehlentscheidung.

Nun, mit vermeintlich falschen Entscheidungen sieht sich jeder Unternehmer irgendwann konfrontiert. Wobei ich zu bedenken gebe, dass die Entscheidung sich erst im Nachhinein als falsch erweist. Wüsste man es vorher besser, hätte man einen anderen Weg eingeschlagen.

Er muss sich jedoch nicht verstecken, denn Fehler und Misserfolge gehören zum Unternehmertum dazu.

Vati hat in seiner 15- jährigen Selbstständigkeit viel erreicht und seine Spuren in unserer Stadt hinterlassen.

Übrigens hatten wir ab der 7. Klasse TZ (Technisches Zeichnen), ESP (Einführung in die sozialistische Produktion) und PA (Produktive Arbeit) als Schulfächer. Bei PA war unsere Klasse in eine Früh- und Spätschicht eingeteilt und wir mussten in einem Betrieb arbeiten gehen.
In unserem Betrieb haben wir Metallarbeiten gemacht. Welch ein Zufall, nicht wahr?

Natürlich mussten auch wir Mädchen feilen, bohren, entgraten etc. Was mich damals besonders freute, war, dass meine Werkstücke tatsächlich verarbeitet werden konnten. Ich habe zwar nicht die gewünschte Anzahl hergestellt, aber dafür waren die Bohrlöcher dort, wo sie sein sollten, und das Werkstück war gut gearbeitet.

Eines Tages mussten wir einen Vorschubriegel bauen. Was mich bis heute mit Stolz erfüllt, ist, dass mein Papa ihn am Tor seiner Werkstatt angebracht hat.

Was ich daraus gelernt habe und dir mit auf den Weg geben möchte:

  • „Geht nicht“ gibt es nicht. Du kannst alles schaffen.
    Wenn etwas nicht funktioniert, wie du es gern hättest, musst du es auf eine andere Art probieren.
  • Ergreife die Chancen, wenn sie sich dir bieten.
    Zögerst du zu lange, hast du sie womöglich für immer verpasst.
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